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Je älter ich werde, desto unwichtiger wird Musikgeschmack. Was früher noch von vorne bis hinten durchinszeniert, ausgewählt und an denen, die man beeindrucken wollte, ausgerichtet und abgeschaut war ist heute nur noch etwas, das sich unbemerkt entwickelt, Neues hinzufügt, sich von altem trennt, aber auch ganz Altes wiederentdeckt und neu denkt.
Irgendwo innerhalb von zehn Jahren intensiver gelebter Beschäftigung mit Musik finden sich Genres und Bands, die für mich persönlich zwar nicht zu dem zähle, was ich wieder- oder neuentdeckt habe, von dem ich mich aber auch nicht trennen kann, weil einfach zu viel Erinnerung, zu viel Nostalgie darin steckt.

Als ich auf der diesejährigen Free-Mp3-Suche auf You, Me, And Everyone We Know stieß, fühlte ich mich mit sofortiger Wirkung ins Jahr 2006 gebeamt, als in meinem Freundeskreis Bands wie Taking Back Sunday oder The Spill Canvas rauf und runter gehört wurden. Oder um es noch mal ein bisschen bildlicher und überregionaler zu behandeln: Es war die Zeit, in der Emo gerade sehr cool wurde, wir alle Sternchen auf Shirts und Jacken und karierte Vans trugen.
Ich würde entgegen aller Vermutungen einiges dafür geben, noch mal 15 zu sein, bunt mit bunt mit bunt zu kombinieren, fast jedes Wochenende in meinen Chucks auf Konzerten und Partys rumzuhüpfen und zu glauben, dass Musik und meine Freunde alles sind, was man zum Leben braucht.

Als kleinen Trost höre ich mir jetzt „Carolina Heat“ in der Dauerschleife an und werde sehr nostalgisch. Aufgrund meiner Nostalgie habe ich direkt noch ein paar schöne Bilder zu Tage gebracht, die diese Phase sehr gut zusammenfassen. Wer damals nicht seine Schuhe fotografiert hat, der werfe den ersten Stein. So, wer wird jetzt mit mir nostalgisch?

Türchen Nummer 18:
You, Me, And Everyone We Know – Carolina Heat (Direktdownload/via Last.fm)

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Postrock im Mp3-Adventskalender ist für mich immer ein Dilemma. Einerseits bin ich mir sicher, dass viele Menschen da draußen sich mit dieser von mir so sehr geschätzten Musikrichtigung noch viel zu wenig beschäftigt haben und deshalb hier zu ihrem Glück gezwungen werden sollten, ein paar Tönen zu lauschen, andererseits fehlen mir aber auf diesem Terrain besonders die Worte bzw das Thema, mit dem ich die Musik anmoderieren kann. Postrock verzichtet auf Text, daher ist Texte-Zerpflücken keine Option und von Rhytmen und Tanzbarkeit kann ich hier auch wenig erzählen. Außerdem ähneln sich viele der von mir favorisierten Bands sehr stark, sodass ich den Unterschied zwar hören, allerdings kaum beschreiben kann.

Übrig bleibt also, dass ich heute eine ganz wunderbare Postrockband ankündigen möchte. Sie heißt I am waiting for you last summer, kommt aus Russland und hat hier eine ganze Menge Musik zu verschenken. Der Song, den ich zum Reinhören für euch ausgewählt habe, heißt Sleep und fühlt sich tatsächlich an wie eine Mischung aus träumen und fliegen. Viel Freude damit!

Türchen Nummer 17:
I am waiting for you last summer – Sleep (Direktdownload/via Last.fm)

Falls sich irgendjemand fragt, an was ich denn gerade still und heimlich arbeite, während auf diesem Blog endlich mal wieder Musik gepostet wird: Ich beschäftige mich (neben anderen Kursen natürlich) intensiv mit der Hölle. In einem fiktiven Projekt für die Motorradmarke Ducati arbeite ich gerade an der Konzeption einer Game-App, in der sich neben (natürlich) dem Motorrad alles um die neun Kreise der Hölle nach Dante Alighieri dreht, die das Szenario für das Spiel bieten.

Scheinbar hat auch Max Herre sich in letzter Zeit mit dem guten Dante auseinandergesetzt, wenn er Reiß die Welt auf, steig aus dem Hades / Göttliche Komödie, ich weiß, was mein Part ist rappt. Unterstützt wird der Ex-Freundeskreis-Rapper beim ungewohnt düsteren Track Hades von Samon Kawamura. Das ganze gibt’s gegen ein Like auf Facebook for free, wer Facebook oder Zwangslikes nicht mag, umgeht das und klick auf „Direktdownload“, dann geht’s auch so.

Einen guten Start in die Woche mit Türchen Nummer 16:
Max Herre feat Samon Kawamura – Hades (Direktdownload/via Facebook)

Meine Oma hat mir als Kind immer wieder gesagt: „In die Hand, mit der du etwas gibst, bekommst du immer wieder etwas zurück.“ Heute weiß ich, dass das Karma heißt und irgendwie tatsächlich zu funktionieren scheint.
Kristoffer and the Harbour Heads haben ihr neuestes Album Hands genannt, weil es davon handelt, sich Hände zu reichen, Barrieren aufzubrechen, zu helfen, zu geben. Ein guter Anfang war es daher, dass die Band auf ihrer Tour darauf geachtet hat, nur barrierefreie Locations zu wählen, um somit körperlich behinderten Menschen den Zugang zu ihren Liveshows zu ermöglichen. Und was kommt zurück? Eine positive Reaktion auf diese Tat und natürlich auf die Musik.
Forever and a Day ist Track Nummer sechs auf Hands und Adventskalendersong Nummer 15 auf diesem Blog. Ein kleines Video zu dem Song kann man sich übrigens hier ansehen. Viel Spaß!

Türchen Nummer 15:
Kristoffer and the Harbour Heads – Forever and a day (Download via official.fm)

Passenger fasst Liebeskummer in Zeiten von Social Media ganz gut zusammen: Bilder der Ex auf Facebook ansehen, sich allein betrinken, mit Freunden von Freunden von Freunden feiern gehen, weil genau dann, wenn es wirklich schlecht geht, keiner der 500 Facebook-Freunde für einen da ist. Schlussendlich sagt er aber auch, dass gegen Liebeskummer sowieso kein Kraut gewachsen ist.
Das sind alles keine neuen Erkenntnisse, natürlich nicht. Aber Passenger singt diese kleine, wohl fast jedem bekannte Geschichte so schnörkellos und mit einem Funken Humor wie Daniel Cirera auf seine Fake-Vegetarian-Exfreundin schimpft. Ich musste nach der Textzeile „Looking at pictures on Facebook of your ex-girlfriend at three in the morning never helped anyone“ ein bisschen grinsen.

Türchen Nummer 14:
Passenger – Facebook (Direktdownload/via Last.fm)


Bild via

Wann
Lerne
Ich
Dass
Ich
Nacht
Nicht
Ohne
Mond
Malen
Kann

///////

Gedankensprungflut
Dunkelheit versengt die Grenzen
Du fühlst dich frei
im Sinne von fähig zu Denken
Mit deinem hauptsächlich versteckten Stich
bist du nun vollkommen zuständig

Kühl nimmst du die Blumen
Höflich ehrlich sicher
Entgegen aller Erwartung
Selbstverständlich teilst du sie dem Schatten zu
Zu Hause kochst du dir deine eigene Buchstabensuppe
Wenn dir das Salz fehlt
beweine die Unwörter auf deinem Löffel

///////

ich bin dir gefolgt wie ein Falter Neonlicht
Wo die blauen Risse ihre Töne mischen
lass uns noch zwei Takte länger stehen
Du willst die Welt vergessen gehen
Es ist dir egal was sie spielen
Du willst einfach nur spielen
Ich klammer mich an meinem Strohhalm fest
Stolper über die Strahlen der Kugel
ins Endlos endlos bloss

[alle Texte via hansunstern.net]

Hans Unstern hören ist wie Gedichte lesen, die zu ihren eigenen Silben einen Pantomimentanz aufführen. So oder so ähnlich würde ich das in Worte verpacken, was diese Musik in mir auslöst. Hans Unstern ist besonders, besonders skurril, poetisch, mitreißend, anders und fesselnd. Lasst euch heute entführen in eine Welt der etwas anderen Musik und wem gefällt, was er da hört, sollte sich dringend das Album Kratz dich Raus zu Gemüte führen.

Türchen Nummer 13:
Hans Unstern – Paris (Direktdownload/via Last.fm)

Mit Türchen Nummer 12 ist die vorweihnachtliche Halbzeit erreicht, was uns zu dem Song bringt, der mir beim Durchmixen als der beste erschien und daher seinen Platz in der goldenen Mitte dieses Adventskalenders gesichert hat.

Die Smiths sind wohl jedem bekannt, weshalb ich mir an dieser Stelle sparen kann, sie in den Himmel zu loben und auf den Grund eingehe, warum es überhaupt einen Free-Download von einer Band gibt, die es zuerst einmal nicht nötig hat, sich selbst zu promoten und darüber hinaus seit über 20 Jahren nicht mehr existent ist. Der Grund ist ein Soundtrack zu einem Film, der zwar an die Popularität der Smiths noch nicht heranreicht, aber wohl auch schon einige Menschen verzaubert hat („Ist das nicht dieser Film, zu dem es tausend gifs auf tumblr gibt?“), nämlich Vielleicht lieber morgen oder wahrscheinlich besser bekannt unter dem Originaltitel The Perks of being a Wallflower.

Um die Handlung kurz anzureißen, kann man sagen, dass es um einen zurückgezogenen, depressiven Jungen geht, der in seinem ersten Jahr auf der High School endlich echte Freunde findet. Natürlich sind solche Geschichten über Freundschaften, die erste Liebe, Probleme innerhalb der Familie und mit sich selbst nichts Neues, trotzdem lege ich jedem ans Herz, sich den Film anzusehen. Ich war besonders begeistert, wie authentisch und mitreißend die unterschiedlichen Charaktere dargestellt werden und verblüfft, dass Emma Watson zwar immer ein bisschen Hermine Granger sein wird, aber auch sehr gut andere Rollen spielen kann.
Nach diesem Blogpost habt ihr also zwei Optionen für den nächsten leicht melancholischen Vorweihnachtsabend: Die Louder than Bombs von The Smiths auflegen oder The Perks of being a Wallflower schauen.

Türchen Nummer 12:
The Smiths – Asleep (Direktdownload/via Soundcloud)